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Christa Lieb – Autorin

15. März 2017
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»Lesefrüchtchen«

Wetter-Lamento

Wetterpropheten 1 – 2 – 3
reden mal eben den Frühling herbei
Außergewöhnlich. Sensationell:
Der März ist da. Hurra!
Wann wird der Lenz uns grüßen?
Wann lässt er Blumen sprießen?
Winter ade …
Doch im wahren Leben
geht auch mal was daneben.
Wir haben uns zu früh gefreut
keine Warmfront weit und breit
Stattdessen:
Dichte Wolken – Sturm wird folgen
Es wird arg nässen –
Schirm nicht vergessen!

Christa Lieb ©

23. Februar 2017
nach Christa Lieb
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Ups … Ein Klick zur falschen Zeit

Ich hatte in den vergangenen zwei Wochen einen wirklich guten Lauf. Lücken, die mir sehr lange Bauchschmerzen bereitet, mich geradezu in eine Blockade getrieben hatten, konnte ich endlich füllen. Ich war zufrieden und zuversichtlich. Bis … Ja, bis ich gegen einen gefassten Vorsatz verstieß und mir »gute« Ratschläge einiger der zahlreichen Schreib-experten zu Gemüte führte. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, genau das vorläufig zu vermeiden. Aber warum denn?, fragen sich jetzt sicher einige, man bekommt kostenlose, gute Tipps, kann so Fehler vermeiden bzw. klar erkennen. Alles richtig. Aber man bekommt leider viel zu oft noch etwas gratis geliefert: Verunsicherung.

Es gibt tolle SchreibkollegenInnen, die relevante Themen einfühlsam ansprechen und dabei auch eigene Schwächen benennen. Man sitzt da, liest, nickt, realisiert, auch andere haben das eine oder andere Problem. Für deren Beiträge bin ich stets dankbar, sind sie doch ein Ansporn für mich, die Datei aufzurufen und weiter zu schreiben.

Aber es gibt auch Tipps von Experten, nach deren Lektüre ich am liebsten alles in den Papierkorb schmeißen möchte. Im Stile einer verbalen Schnellfeuerwaffe nehmen sie die Kreativität unter Beschuss … Und manchmal treffen sie diese lebensbedrohlich … Ich habe schon Beiträge gelesen, in denen kein einziger Mut machender Satz vorgekommen ist. Stattdessen wedelt mir ein imaginärer erhobener Zeigefinger vor der Nase herum. »Tu dies nicht … vermeide auf jeden Fall … und wenn du deinen Roman mit diesem Satz beginnst, hast du eh schon verloren …« Ich erspare mir das Aufzählen weiterer Punkte.

Tja, worin mag wohl der Sinn derart vorgetragener Ratschlägen liegen? Nach einer plausiblen Erklärung suche ich schon lange.

Fazit: Nachdem ich zum wiederholten Mal in eine dieser Lesefallen getappt war, kam’s, wie’s kommen musste: Alles, was mich zuvor begeistert hatte, fand ich jetzt wieder … Na ja, ihr wisst schon …

Jetzt heißt es gelassen bleiben und mit Zuversicht nach vorn zu schauen … und endlich den Finger von gewissen Links zu lassen …

 

Christa Lieb ©

15. Januar 2017
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»Lesefrüchtchen«

Winterwunder

Über Nacht hat sich die Welt in weiße Watte gepackt, trägt eine dicke Schnee-haube. Aufgeplusterte Vögel harren in der Kälte aus, sitzen in den kahlen Ästen und halten Ausschau nach Nahrung. Eine Katze schleicht Richtung Futterhäuschen, hebt behutsam die Pfoten, hinterlässt ihre Spuren im Schnee.

Die Amsel, auf ihrem Beobachtungs-posten in der Spitze des Baumes, hat sie längst erspäht. Ihr warnender Ruf bringt Bewegung in die bunte Vogelschar. Im Nu ist das Vogelhaus verwaist. Die Katze trollt davon.

Der Nordwind bläst feine Schneenebel von den Dächern. Die spärlichen Sonnenstrahlen lassen die weiße Pracht funkeln, wie kostbare Edelsteine. Braune Grashalme ragen empor, erzählen vom vergangenen Sommer. Die Natur ruht sich aus, sammelt Kraft für das Frühjahr.

Mit einem heißen Tee und einem guten Buch im warmen Zimmer sitzen – so lässt sich das Winterwunder genießen.

Christa Lieb ©

Okay. Ich gestehe, beim Schreiben dieser 5-Minuten-Geschichte hat Wunschdenken meine Finger bewegt . Denn leider besteht bei uns das Winterwunder meist aus wenigen Millimetern Schneepuder. Selbst von der bunten Vogelschar ist in diesem Jahr (noch) nichts zu sehen. Schade … Aber der Winter ist noch lange nicht vorbei … Vielleicht gibt es ja auch für uns noch ein richtiges Winterwunder …

 

31. Dezember 2016
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Gedanken zum Jahreswechsel

Nur noch wenige Stunden bleiben dem Jahr 2016. Zeit für ein ganz persönliches Resümee.

Ich betrachte sein Ende mit gemischten Gefühlen. Soll ich mich freuen, dass es endlich vorbei ist, oder soll ich bedauern, dass ein Lebensjahr weniger auf der Habenseite steht?

Es hatte wunderbare Momente für mich im Gepäck, aber es hat mir auch wieder einiges abverlangt. Ich musste mich von lieben Menschen verabschieden, bin gegen Mauern gerannt, habe mich von Illusionen verabschiedet, musste akzeptieren, dass die Begriffe »Freundschaft« und »Loyalität« dehnbar sind und viele Interpretationen zulassen. Und es hat meinen Glauben an die (Mit)Menschlichkeit erneut erschüttert. Kaltherzigkeit, Diffamierungen, dreiste Lügen, Hetze, feige Morde, Katastrophen … Bis in die letzten Stunden hat es uns damit den Alltag garniert. Und es lässt mich mit der bangen Frage zurück: Siegt die Vernunft, der klare Menschenverstand, oder laufen wir sehenden Auges den Rattenfängern hinterher und ins Verderben? Und was wird dann aus unseren Kindern und Enkelkindern?

Zum Glück gab es neben den dunklen Seiten auch strahlend schöne. Tage voller Lebensfreude, Optimismus, warmer Gefühle … in einer friedlichen Umgebung, üppiger, farbenfroher Natur.

Und so werde ich in wenigen Stunden das neue Jahr mit der gleichen Freude und Hoffnung lautstark und bunt begrüßen, wie ich es mit den neuen Jahren zuvor auch getan habe. Und, wie jedes Jahr, auch diesmal darauf bauen, dass das Gepäck, welches es für uns parat hat, zu schultern ist …

Ich wünsche allen einen guten, hoffnungsvollen Start ins neue Jahr.

 

 

Christa Lieb

15. Dezember 2016
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»Lesefrüchtchen« Dezember

Auszug »Wohin dein Weg auch führt«

(…)

Ulrich hatte geglaubt, er kenne das Gefühl des Alleinseins schon zu genüge. Er hatte sich geirrt. Diese Tage jetzt, übertrafen selbst die dunklen Stunden in Straubing.

Niemanden hielt es in seiner Kabine. Alle trafen sich in der Mannschaftsmesse zu Punsch und Teegebäck. Er suchte sich einen Platz in der hintersten Ecke, bei den Männern aus Ostasien, denen Weihnachten wenig bedeutet. Vorn drängten sich mit erwartungsvoll glänzenden, oft aber auch traurigen Augen, die deutschen Kollegen, meist Offiziere, um den Rundfunkempfänger. Der Kapitän hielt eine kurze Ansprache, dankte allen für ihren harten Einsatz auf hoher See. Dann ertönte das bekannte Signal von Radio Norddeich: »Gruß an Bord« ging auf Sendung.

  Angespannt lauschte er eine Weile den Stimmen aufgeregter Kinder und gerührter Frauen, die ihre Väter, Ehemänner, Söhne grüßten, gute und manchmal auch schlechte Nachrichten aus dem fernen Deutschland durch den Äther auf den schwankenden Frachter schickten, der sich gerade durch den nachtschwarzen Atlantik schob.

  Die bunten Lämpchen des Plastikbaumes flimmerten unruhig. Ihr Licht spiegelte sich in den wenigen Kugeln, die die spärlichen Zweige schmückten, wider. Der Smutje lehnte in der Luke der Essensausgabe und summte andächtig die Melodie von der stillen, heiligen Nacht mit.

  Längst hatte Ulrich innerlich abgeschaltet. Für ihn gab es keinen Grund, aufmerksam zu lauschen, auf liebe Grüße zu hoffen. Wer sollte ihn schon grüßen? Niemand vermutete ihn an Bord eines Schiffes auf unruhiger See. Er war allein; wieder und immer noch. Und er war überzeugt, dass dies auch noch lange so bleiben würde. Die Gewissheit schmerzte. Gern wäre er dieses Gefühl losgeworden, doch es ließ sich nicht einfach so vertreiben. Betroffen zuckte seine Hand hinauf zum Gesicht, um die Tränen wegzuwischen, die sich unkontrolliert aus seinen Augenwinkeln gemogelt hatten. Verstohlen sah er sich um, doch offensichtlich hatte niemand Notiz von seiner Rührseligkeit genommen.

  Mit geschlossenen Augen versuchte er sich vorzustellen, wie es jetzt auf der Rosenhöhe zuging. Er stellte sich Tilda und Klara in der warmen Stube vor, wie sie am Tisch beisammensaßen, Tee tranken und selbst gebackene Plätzchen knabberten. Tasso lag sicher zusammengerollt vor dem Christbaum, der Kater neben dem Ofen, in dem das Holz leise knackend ein Raub der Flammen wurde. Ob die beiden Frauen an ihn dachten, über ihn redeten? Er wünschte ihnen im Stillen eine friedvolle Weihnacht und hoffte, dass sie sich keine Sorgen um ihn machten.

  Wie gerne wäre er dort; bei ihnen. Stattdessen verbrachte er das Weihnachtsfest auf diesem schaukelnden Kahn unter fremden Leuten und ohne Perspektive. (…)

Christa Lieb ©

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