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Christa Lieb – Autorin

15. August 2016
von Christa Lieb
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Lesefrüchtchen

Winkelzüge
Kriminalgeschichte

BodenseeÜber dem gegenüber-liegenden Schweizer Ufer des Bodensees braute sich ein Unwetter zusammen. Dunkle, be-drohlich wirkende Wolken schoben sich heran. Stürmischer Wind peitschte das Wasser auf.

Im Hotel Helvetia sah Rita Ziegler immer wieder auf die Uhr. Gernot war mit dem Boot draußen. Voller Sorge lief sie hinüber zum großen Fenster mit Blick auf den Hafen. Der Anlegeplatz der Möwe II war noch immer leer. Heftiger Regen prasselte inzwischen nieder und über dem See zuckten bizarre Blitze über den Himmel, denen krachende Donner folgten.

In der Polizeiwache der kleinen Stadt hatte Polizeiobermeister Hirschmeyer alle Hände voll zu tun. Unzählige besorgte Anrufer gönnten ihm keine Pause. Mittlerweile war es kurz vor elf und der Sturm tobte noch immer durch die Nacht. Als das Telefon endlich für einen Moment schwieg, nutzte er die kurze Verschnaufpause, füllte seine Tasse mit dem abgestandenen Rest Kaffee und legte die Beine hoch. Doch kaum hatte er einmal an dem Gebräu genippt, flog die Tür auf und eine Frau stürmte herein.
»Mein Mann ist noch draußen auf dem See. Sie müssen ihn suchen!«
Hirschmeyer nahm erschrocken die Füße vom Schreibtisch, straffte die Schultern und sagte mit Nachdruck: »Der Reihe nach … Sie heißen …?«
»Rita Ziegler … Bitte, Sie müssen ihn suchen.«
»Gute Frau … Bei dem Wetter kann selbst die Seenotrettung nichts tun. Vermutlich ist er in einem Nachbarhafen an Land gegangen. Haben Sie schon versucht, ihn zu erreichen?«
Rita Ziegler nickte. »Er geht nicht ans Handy.«
»Dann nehme ich mal die Daten auf. Name … Welches Boot …?«
»Mein Mann heißt Gernot. Gernot Ziegler. Wir wohnen seit einer Woche im Hotel Helvetia … Am alten Leuchtturm. Die Möwe II ist unser Boot.«
Alfred Hirschmeyer schrieb und nickte. »Gut. Wie schon gesagt. Momentan können wir nichts tun. Sobald der Sturm nachlässt, machen wir uns auf die Suche. Und Sie gehen zurück ins Hotel. Übrigens ziemlich leichtsinnig bei diesem Wetter durch die Gegend zu laufen. Passen Sie auf sich auf … Ich würde Sie ja mit dem Streifenwagen bringen, aber Sie sehen und hören selbst, was hier los ist.« Sichtlich genervt griff er zum Telefonhörer und nahm den nächsten besorgten Anruf entgegen.

In den frühen Morgenstunden fanden sie in der Nähe des Schweizer Ufers die gekenterte Möwe II. Von Gernot Ziegler fehlte jede Spur. Hirschmeyer machte sich auf den Weg ins Hotel Helvetia um Rita Ziegler zu informieren.


Fortsetzung folgt …

Christa Lieb ©

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15. Juni 2016
von Christa Lieb
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»Lesefrüchtchen«

Leseprobe »Wolken über Heather’s Point«

CoverOlivia Brahms‘ Leben nahm eine ungeahnte Wendung, als Cornelius Fichte sie ausdrücklich bat, sich um Mister Franklin zu kümmern.

Sie war spät dran, an diesem milden Montagmorgen Anfang August. Die halbe Nacht hatte sie auf dem Sofa verbracht, weil sie sich nicht von ihrem Buch trennen konnte. Und so war ihr das Aufstehen schwergefallen. Allerdings half ihr das sonnige Wetter über die Müdigkeit hinweg und auch von den mürrischen Gesichtern um sich herum ließ sie sich ihre gute Laune nicht vermiesen.

Zelebrierten die Leute den Mythos vom ungeliebten Montag oder trauerten sie einfach nur vergangenen schönen Momenten nach?, fragte sie sich nicht zum ersten Mal. Der mürrische Trambahnfahrer, die balgenden Kids, die sie auf dem Bahnsteig fast von den Beinen holten, die offensichtlich gestresste Mutter, die ihre kleine Tochter ungeduldig hinter sich her zog und jetzt, am Ende ihres morgendlichen Weges, das Duell zweier lifegestylter Jungmanager, die sich um die letzte freie Parklücke rangelten, registrierte sie mit gelassenem Schulterzucken. Ob sie sich noch vor dem Feierabend einigen werden?, überlegte Olivia belustigt, öffnete mit Schwung die Eingangstür des Bürogebäudes und steuerte auf die Fahrstühle in der Ecke zu. Das rhythmische Stakkato ihrer hohen Absätze hallte von den Wänden wider.

»Liebe macht krank, verursacht Geschwüre und Krämpfe, die niemals vergehn. Wenn sie dich trifft, dann wirst du’s kapieren: Liebe macht krank, Liebe tut weh …« Schmunzelnd zog sie die Stöpsel aus ihren Ohren und schaltete ihr Smartphone aus. Typisch Maman, dieses Lied, dachte sie amüsiert.

Auf der Fahrt in die zwanzigste Etage zog sie den Rock ihres Kostüms zurecht und fuhr sich mit dem Lippenstift über den Mund. Ein letztes Zupfen an ihren kurzen, blonden Haaren. Jetzt war sie zufrieden. Der Arbeitstag konnte beginnen. (…)

(…) Doktor Cornelius Fichte prangte an der Tür, an die sie wenig später klopfte.
»Guten Morgen, Frau Brahms, ich hoffe, Sie hatten ein erholsames Wochenende. Sie wissen ja, ab morgen wird es turbulent. Unser erster Termin mit Mister Franklin ist für den frühen Nachmittag geplant. Er räusperte sich. »Frau Brahms, ich habe eine besondere Bitte an Sie.«
Olivia sah ihn überrascht an. »Besondere Bitte?«
»Das Essen heute Abend … Könnten Sie diesen Termin bitte für mich wahrnehmen?«
»Ich? Sie meinen, ich soll heute Abend mit Mister Franklin …«
»Ja. Sie.«
»Aber …«
»Frau Brahms, ich wäre Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie für mich in die Presche springen würden. Terminüberschneidungen … Meine Frau … Sie wissen ja, wie das ist.« (…)

Christa Lieb ©

Als eBook erhältlich bei XinXii.com und v. a. Onlineshops

15. Mai 2016
von Christa Lieb
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»Lesefrüchtchen«

Leseprobe – Prolog »Gefrorene Zeiten«

CoverZögernd näherte sich Johanna dem Ort, den sie vor vielen Jahren verlassen musste. Noch immer herrschte hier am Rande der Stadt eine angenehme Ruhe. Von der Geschäftigkeit der nahen Innenstadt war auch heute wenig zu spüren. Im Schatten der großen Alleebäume lief sie an der verwitterten Backsteinmauer entlang, die keinen Blick auf das Dahinter erlaubte. Üppiger Efeu rankte herab, suchte Halt in den Ritzen und Spalten des Mauerwerks. Schließlich stand sie vor dem hohen Tor. Rost überzog mittlerweile die massiven Eisenstäbe, verlieh ihnen einen antiken Charme. Kein Name zierte das Schild über dem Klingelknopf und der verwilderte Vorgarten versperrte den Blick auf das Haus fast vollständig. Bäume und Sträucher hatten mächtig zugelegt; der schmale Kiesweg, der zum Haus führte, war nur noch zu erahnen. Grüne Polster breiteten sich ungehindert auf ihm aus. In den Ästen der hohen Birke hingen die Reste eines Nistkastens. Einige morsche Teile waren bereits heruntergefallen und dienten jetzt kleinem Getier als Unterschlupf. Weiterlesen →