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Christa Lieb – Autorin

19. September 2016
von Christa Lieb
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Lesefrüchtchen

»Winkelzüge« – Teil 2 
Teil 1 siehe »Lesefrüchtchen« August

WinkelzügeBei der Vereinigten Union bekam der zuständige Sachbearbeiter den Schadensfall auf den Tisch und unterzog ihn einer gründlichen Prüfung. Gernot und Rita Ziegler waren für ihn keine Unbekannten. Vor Jahren hatte das Ehepaar eine Lebensversicherung über eine beachtliche Summe abgeschlossen und vor gut einem halben Jahr noch einmal aufgestockt. Klaus-Peter Pfeiffer kam ins Grübeln. Der Sache wollte er auf den Grund gehen. Fünf Millionen waren schließlich kein Pappenstiel. Er griff zum Telefon. »Pfeiffer hier. Guten Tag, Herr Hornung. Ich habe mal wieder einen Auftrag für Sie.«

Walter Hornung machte sich auf die Suche nach Spuren. Er durchwühlte das Leben der Zieglers und wurde bald fündig. Zahlungsschwierigkeiten. Drohende Insolvenz. Windige Geldgeschäfte. Als ihm die Bank die Summe nannte, mit der das Ehepaar bei ihnen in der Kreide stand, pfiff er leise durch die Zähne. Hatte sich Ziegler etwa das Leben genommen, um seiner Frau eine sorgenfreie Zukunft zu ermöglichen? Selbstmord. In diesem Fall wäre die Versicherung aus dem Schneider. Als er Pfeiffer seine Erkenntnisse mitteilte, nickte der zufrieden und diktierte seiner Sekretärin einen negativen Bescheid in die Tastatur.

Hauptkommissar Dieter Berg hatte inzwischen den Fall auf dem Tisch. Nachdem zuerst die Vereinigte Union und dann Walter Hornung mit Nachdruck nach den Ermittlungsergebnissen im Fall Ziegler gefragt hatten, wollte auch er endgültig Gewissheit haben. Vielleicht steckte doch mehr hinter der Sache. Er sorgte dafür, dass der kriminaltechnische Dienst die Möwe II noch einmal gründlich unter die Lupe nahm. Als der Bericht vorlag, schloss er guten Gewissens Mord aus. Keinerlei Spuren deuteten auf ein Gewaltverbrechen hin. Ein erneutes Gespräch mit den Schweizer Kollegen ergab, dass auch dort seit dem Unwetter noch immer keine Leiche an Land gespült worden war. Gernot Ziegler blieb verschwunden. Berg kam zu der Überzeugung, dass der einem tragischen Unfall zum Opfer gefallen sein musste. Er schloss die Akte und schickte seinen Abschlussbericht an die Versicherung.

Acht Monate nach dem Unglück schickte Pfeiffer zähneknirschend einen Scheck an Rita Ziegler. Gleichzeitig beauftragte er Hornung, die Frau noch eine Weile im Auge zu behalten.

Fortsetzung folgt …

Christa Lieb ©

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Genehmigung der Autorin nicht verwendet werden.

15. August 2016
von Christa Lieb
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Lesefrüchtchen

Winkelzüge
Kriminalgeschichte

BodenseeÜber dem gegenüber-liegenden Schweizer Ufer des Bodensees braute sich ein Unwetter zusammen. Dunkle, be-drohlich wirkende Wolken schoben sich heran. Stürmischer Wind peitschte das Wasser auf.

Im Hotel Helvetia sah Rita Ziegler immer wieder auf die Uhr. Gernot war mit dem Boot draußen. Voller Sorge lief sie hinüber zum großen Fenster mit Blick auf den Hafen. Der Anlegeplatz der Möwe II war noch immer leer. Heftiger Regen prasselte inzwischen nieder und über dem See zuckten bizarre Blitze über den Himmel, denen krachende Donner folgten.

In der Polizeiwache der kleinen Stadt hatte Polizeiobermeister Hirschmeyer alle Hände voll zu tun. Unzählige besorgte Anrufer gönnten ihm keine Pause. Mittlerweile war es kurz vor elf und der Sturm tobte noch immer durch die Nacht. Als das Telefon endlich für einen Moment schwieg, nutzte er die kurze Verschnaufpause, füllte seine Tasse mit dem abgestandenen Rest Kaffee und legte die Beine hoch. Doch kaum hatte er einmal an dem Gebräu genippt, flog die Tür auf und eine Frau stürmte herein.
»Mein Mann ist noch draußen auf dem See. Sie müssen ihn suchen!«
Hirschmeyer nahm erschrocken die Füße vom Schreibtisch, straffte die Schultern und sagte mit Nachdruck: »Der Reihe nach … Sie heißen …?«
»Rita Ziegler … Bitte, Sie müssen ihn suchen.«
»Gute Frau … Bei dem Wetter kann selbst die Seenotrettung nichts tun. Vermutlich ist er in einem Nachbarhafen an Land gegangen. Haben Sie schon versucht, ihn zu erreichen?«
Rita Ziegler nickte. »Er geht nicht ans Handy.«
»Dann nehme ich mal die Daten auf. Name … Welches Boot …?«
»Mein Mann heißt Gernot. Gernot Ziegler. Wir wohnen seit einer Woche im Hotel Helvetia … Am alten Leuchtturm. Die Möwe II ist unser Boot.«
Alfred Hirschmeyer schrieb und nickte. »Gut. Wie schon gesagt. Momentan können wir nichts tun. Sobald der Sturm nachlässt, machen wir uns auf die Suche. Und Sie gehen zurück ins Hotel. Übrigens ziemlich leichtsinnig bei diesem Wetter durch die Gegend zu laufen. Passen Sie auf sich auf … Ich würde Sie ja mit dem Streifenwagen bringen, aber Sie sehen und hören selbst, was hier los ist.« Sichtlich genervt griff er zum Telefonhörer und nahm den nächsten besorgten Anruf entgegen.

In den frühen Morgenstunden fanden sie in der Nähe des Schweizer Ufers die gekenterte Möwe II. Von Gernot Ziegler fehlte jede Spur. Hirschmeyer machte sich auf den Weg ins Hotel Helvetia um Rita Ziegler zu informieren.


Fortsetzung folgt …

Christa Lieb ©

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15. Juni 2016
von Christa Lieb
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»Lesefrüchtchen«

Leseprobe »Wolken über Heather’s Point«

CoverOlivia Brahms‘ Leben nahm eine ungeahnte Wendung, als Cornelius Fichte sie ausdrücklich bat, sich um Mister Franklin zu kümmern.

Sie war spät dran, an diesem milden Montagmorgen Anfang August. Die halbe Nacht hatte sie auf dem Sofa verbracht, weil sie sich nicht von ihrem Buch trennen konnte. Und so war ihr das Aufstehen schwergefallen. Allerdings half ihr das sonnige Wetter über die Müdigkeit hinweg und auch von den mürrischen Gesichtern um sich herum ließ sie sich ihre gute Laune nicht vermiesen.

Zelebrierten die Leute den Mythos vom ungeliebten Montag oder trauerten sie einfach nur vergangenen schönen Momenten nach?, fragte sie sich nicht zum ersten Mal. Der mürrische Trambahnfahrer, die balgenden Kids, die sie auf dem Bahnsteig fast von den Beinen holten, die offensichtlich gestresste Mutter, die ihre kleine Tochter ungeduldig hinter sich her zog und jetzt, am Ende ihres morgendlichen Weges, das Duell zweier lifegestylter Jungmanager, die sich um die letzte freie Parklücke rangelten, registrierte sie mit gelassenem Schulterzucken. Ob sie sich noch vor dem Feierabend einigen werden?, überlegte Olivia belustigt, öffnete mit Schwung die Eingangstür des Bürogebäudes und steuerte auf die Fahrstühle in der Ecke zu. Das rhythmische Stakkato ihrer hohen Absätze hallte von den Wänden wider.

»Liebe macht krank, verursacht Geschwüre und Krämpfe, die niemals vergehn. Wenn sie dich trifft, dann wirst du’s kapieren: Liebe macht krank, Liebe tut weh …« Schmunzelnd zog sie die Stöpsel aus ihren Ohren und schaltete ihr Smartphone aus. Typisch Maman, dieses Lied, dachte sie amüsiert.

Auf der Fahrt in die zwanzigste Etage zog sie den Rock ihres Kostüms zurecht und fuhr sich mit dem Lippenstift über den Mund. Ein letztes Zupfen an ihren kurzen, blonden Haaren. Jetzt war sie zufrieden. Der Arbeitstag konnte beginnen. (…)

(…) Doktor Cornelius Fichte prangte an der Tür, an die sie wenig später klopfte.
»Guten Morgen, Frau Brahms, ich hoffe, Sie hatten ein erholsames Wochenende. Sie wissen ja, ab morgen wird es turbulent. Unser erster Termin mit Mister Franklin ist für den frühen Nachmittag geplant. Er räusperte sich. »Frau Brahms, ich habe eine besondere Bitte an Sie.«
Olivia sah ihn überrascht an. »Besondere Bitte?«
»Das Essen heute Abend … Könnten Sie diesen Termin bitte für mich wahrnehmen?«
»Ich? Sie meinen, ich soll heute Abend mit Mister Franklin …«
»Ja. Sie.«
»Aber …«
»Frau Brahms, ich wäre Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie für mich in die Presche springen würden. Terminüberschneidungen … Meine Frau … Sie wissen ja, wie das ist.« (…)

Christa Lieb ©

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