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Christa Lieb – Autorin

3. Januar 2018
von Christa Lieb
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Aussichten …

Nachdem sich die Fragen nach meinem nächsten Buch häufen, will ich mal die Karten auf den Tisch legen.

Fakt ist, dass ich viele Wochen nicht ernsthaft kreativ gearbeitet habe. Stattdessen beschäftigte ich mich mit der Frage, ob ich mir ein neues Projekt überhaupt zutraue.

Alles war weg: Spaß und Freude am Schreiben generell, der Wille sich zu »quälen«, die freudige Erwartung, die Genugtuung über gelungene Sätze … alles.

In meinen Träumen war die Welt in Ordnung. Ich sah mich am Schreibtisch sitzen und eifrig Sinn machende Worte tippen. Ich hatte dabei ein gutes Gefühl, war zufrieden und glücklich.

Die Realität war eine andere. Das Feuer war weg. Erloschen. Und ich fragte mich bang, ob es jetzt für immer so bleiben würde? Konnte ich das so einfach zulassen, nachdem das Schreiben diesen breiten Raum in meinem Leben eingenommen hatte?

Es ist mir verdammt schwergefallen, eine Antwort zu finden; die Zweifel zu verdrängen. Und es fällt mir noch immer schwer zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wie ich es zulassen konnte, mich derart zu verausgaben, meinen Kreativ-Akku zu leeren, bis er nichts mehr hergab.

Vor einer Woche hat mir dann eine besonders nette Geburtstagskarte (wieder einmal) vor Augen geführt, dass ich eigentlich zu den Kämpfern gehöre (und gefälligst endlich den Hintern hoch bringen soll):

Zitat: »Steinböcke sind wie zähe Alpinisten: Die meisten ihrer Vorsätze erreichen sie nicht mit rasanter Schnelligkeit, sondern mit jeder Menge Durchhaltewillen und Ausdauer. Und mag das Ziel auch noch so weit entfernt sein – die Steinbock-Frau geht entschlossen ihren Weg dorthin und scheut dabei auch keine Umwege oder Mühsalen. Denn irgendwo im Grunde ihres Herzens weiß sie ganz genau, dass sie eines schönen Tages mit einem unvergleichlichen Ausblick belohnt werden wird … Zwischendurch allerdings hat die Steinbock-Frau immer wieder mit Phasen zu kämpfen, in denen sie zaudert, zögert oder sogar ihr ganzes Tun und Handeln in Frage stellt. Doch ihre Selbstdisziplin, Verlässlichkeit und ein ausgeprägtes Taktgefühl sorgen schließlich dafür, dass sie früher oder später ankommen wird …« Zitatende (www.viversum.de)

Danke für diesen Tritt in den Wertesten. Und weil ich als realistische Steinbockfrau nicht an die Macht der Sterne glaube *grins*, habe ich das ein paar Tage sacken lassen und mich dann ans Plotten gemacht.

Mein Plan: Eine Fortsetzung von »Ein Sommer in Blue Bay« zu versuchen. Schließlich gibt es da noch einige offene Fragen: Findet Paul Everton die Frau fürs Leben, was wird mit Cathy Hudson und Bradley Pearson und wie verbringt Gordon Cooper nun seine Tage nachdem …? Ihr seht, Stoff für ein neues Buch hätte ich. Jetzt fehlen nur noch gut 50.000 brauchbare Worte um den Plan wahr werden zu lassen.

In diesem Sinne … Uns allen ein produktives Jahr …

Christa Lieb ©

15. November 2017
von Christa Lieb
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»Lesefrüchtchen« November

Leseprobe »Ein Sommer in Blue Bay«

(…) Schweigend saßen sie beisammen und schauten auf den prächtigen Sonnenuntergang über dem Meer.

Das Schauspiel, wenn Himmel und Meer ihr Alltagsgewand ablegten und sich in kostbare Festtagsroben hüllten, zog sie jeden Tag aufs Neue in ihren Bann.

»Hast du dich inzwischen eingelebt … Dich an das Leben hier gewöhnt?«, unterbrach Gordon das Schweigen.

»Gewöhnt? … Nein … Eher damit abgefunden. Ich habe wohl keine andere Wahl, als es zu akzeptieren.« Linda biss sich erschrocken auf die Lippen.

Gordon war hellhörig geworden. Sollte jetzt der Moment der Wahrheit gekommen sein? Würde er nun endlich erfahren, was sich hinter dem manchmal eigenartigen Verhalten Lindas verbarg?

»Mit was musstest du dich abfinden? Was akzeptieren? … Was ist eigentlich los mit dir?«

Da war sie. Die Frage. Bei jedem ihrer Gespräche hatte sie sich vor ihr gefürchtet. Und jetzt hatte er sie gestellt; durch ihr gedankenloses Gerede selbst provoziert. Sollte sie ihm anvertrauen, was sie quälte, sie nicht zur Ruhe kommen ließ? Würde er ihr glauben oder sie für eine Verrückte oder gar Schwindlerin halten?

»Linda …?«

»Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin; weiß nicht, warum ich hier in diesem Haus bin. Alles ist mir fremd … Ja selbst ich bin mir fremd.«

Er schaute sie irritiert an. »Was meinst du damit … Ich verstehe nicht …«

»Seit ich in diesem Haus aufgewacht bin, suche ich nach Antworten … Und nach Hinweisen. Dieser Name … ›Linda Sinclair‹ … Bin ich wirklich diese Frau …?«

»Ob du diese Frau bist?«

»Und ist das hier wirklich mein Haus?«

»Vorübergehend …«

»Vorübergehend? Was weißt du?«

»Es gehört einem wohlhabenden Ehepaar, das oben in Big Sur eine prächtige Villa bewohnt. Das Strandhaus vermieten sie an Feriengäste oder Leute, die mal mehr oder weniger lang einen Ortswechsel brauchen. Im Frühjahr kam eine Maklerin aus Santa Barbara hierher, erzählte allen, demnächst würde eine Linda Sinclair einziehen. Miss Sinclair brauche Ruhe und Abgeschiedenheit. Man solle diesen Wunsch respektieren und sie nicht behelligen.

Und als ich eines Morgens dein Auto in der Einfahrt stehen sah, wusste ich, Miss Sinclair ist angekommen. Du hast mich, uns alle hier, zwar gemieden, aber ich hielt es für meine Pflicht, mich um dich zu kümmern.«

»Eine Maklerin? … Warum weiß ich davon nichts? So etwas vergisst man doch nicht einfach; genauso wenig, wie den eigenen Namen.«

Ihr verzweifelter Tonfall ließ ihn spontan nach ihrer Hand greifen. Sie zuckte zurück und er ließ sie mit einem Seufzer los. »So ganz traust du auch mir nicht, oder?«

(…)

Als Taschenbuch und eBook in allen gängigen Onlineshops erhältlich

Christa Lieb ©

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