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Christa Lieb – Autorin

15. Januar 2015
von Christa Lieb
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Lesefrüchtchen

 

Foto: chrilie

Foto: chrilie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedanken zu den sich täglich wiederholenden Meldungen über mangelnde Empathie und fehlendes Verständnis:

Zustandsbericht


Nachdenklichkeit
sitzt auf dem
Tellerrand der Seele
Traurigkeit
liegt in der Tiefe
schwer wie Stein
Klärende Worte
bleiben hinter
verschlossenen
Lippen gefangen
In Starre gegossen
reiht sich Tag an Tag
Kein Signalfeuer
erleuchtet den Horizont
Gemeinsamkeiten
bleiben versteckt
unter dem Schutt
falscher Erwartungen

 

 

Christa Lieb ©

 

 

 

 

22. Dezember 2014
von Christa Lieb
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Frohe Weihnachten …

Foto: chrilie

Foto: chrilie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danke allen, die mich auch in diesem Jahr hier besucht und Interesse an meinem Schreiben signalisiert haben. Darauf freue ich mich auch im neuen Jahr.

 

15. Dezember 2014
von Christa Lieb
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Lesefrüchtchen

Frohe Weihnachten

Foto chrilie


Alle Jahre wieder …
 

Für Valeska, die jeden Augenblick mit ihr zu einem besonderen macht.

 

Herr und Frau Amsel saßen auf halber Höhe im kahlen Geäst des großen Baumes und putzten mit spitzem Schnabel ihr Gefieder. Vorbei die Tage, an denen ein dichtes, grünes Blätterdach sie vor Sonne, Regen und neugierigen Blicken geschützt hatte. Im welken Laub unter ihnen raschelte es betriebsam. Familie Igel, die sich in den letzten Wochen einen ordentlichen Winterspeck angefuttert hatte, war damit beschäftigt, unter dem großen Holzstapel eine Kuhle weich auszupolstern, um dort in Ruhe und Geborgenheit ihren Winterschlaf halten zu können. Eichhörnchen vergruben an verborgenen Stellen noch die eine oder andere Nuss und hofften wie jedes Jahr darauf, dass sie die auch wieder finden würden, wenn der Magen knurrte.

Wie Herr und Frau Amsel, waren auch die Meisen, Rotkehlchen und Finken den ganzen Sommer über damit beschäftigt gewesen, ihre Brut zu füttern und ihnen das Fliegen beizubringen. Jetzt saßen auch sie müde, aber zufrieden, in dem Baum und warteten darauf, dass das Futterhäuschen mit dem leuchtend roten Dach endlich mit köstlichen Körnern gefüllt wurde. Selbst die Mäuschen, die durch das Beet huschten, hofften, bald ein paar Körner zu erhaschen.

»Schade, dass alles so trostlos ausschaut. Selbst den Menschen scheint das graue Einerlei aufs Gemüt zu schlagen. Ich habe schon lange kein fröhliches Lachen mehr gehört«, bedauerte Frau Amsel.

»Du solltest dich inzwischen daran gewöhnt haben«, antwortete Herr Amsel nachsichtig und plusterte sein Gefieder noch etwas mehr auf, um sich so besser gegen den kalten Ostwind schützen zu können.

»Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen«, sagte Frau Amsel betrübt.

»Uns geht es genau so«, stimmten ihr die anderen Tiere des Gartens zu. »Es wird dunkel. Zeit, sich einen sicheren Schlafplatz zu suchen. Habt eine gute …« Erstaunt schwiegen alle und rieben sich verwundert die Augen. Der Garten erstrahlte jetzt in festlichem Lichterglanz und auch hinter den Fensterscheiben war dieser heimelige Schein zu sehen.

»Seht nur die vielen Lichter. Welche Pracht«, riefen alle aufgeregt durcheinander.

»Die Menschen nennen es ›Advent‹«, meinte die schlaue Eule und drehte ihren Kopf um

Foto: chrilie

Foto: chrilie

die eigene Achse, um ja alles sehen zu können.

»Und dann kommt Weihnachten, Christkind, Geschenke und ›Oh Tannenbaum‹.« Die kleine Blaumeise flatterte aufgeregt umher.

»Woher hast du diese Weisheiten, du vorwitziges Ding?«, fragte die Eule streng.

»Ich habe die Menschenkinder belauscht. Sie können es kaum erwarten«, sagte die Blaumeise und hüpfte fröhlich hin und her.

»So, so, die Menschenkinder …«, sagte die Eule und machte es sich in einer großen Astgabel bequem.

»Fehlen nur noch Schneeflöckchen und ihre Schwestern«, seufzte ein Spatz sehnsüchtig.

»Hier sind wir doch«, kicherte es über ihnen. »Morgen Früh werden alle lächeln. Auch die großen Menschenkinder.«

chrilie ©