schreib(t)räume

Christa Lieb – Autorin

15. Januar 2014
von Christa Lieb
Keine Kommentare

Lesefrüchtchen

Christa-Lieb-Wenn-das-Leben-Schatten-wirft_IIVerl

 

 

 

 

 

 

Australien. Ans Ende der Welt hat er sich also verkrochen, der Herr Kommissar. Weit weg, aber nicht weit genug. Zur Hölle mit ihm.

In seinem Kopf begann es zu arbeiten. Über kurz oder lang fände er Mittel und Wege, um Thomas Marenholz habhaft zu werden. Dann würde er ihm auf seine ganz spezielle Art und Weise klar machen, dass es keine gute Idee gewesen war, ihm in die Quere gekommen zu sein. Für jeden Tag in dieser gottverlassenen Gegend würde er ihn bluten lassen. Für jede verpasste Party, jedes nicht getrunkene Glas Champagner, jedes entgangene Geschäft, würde dieser Mistkerl zahlen, ehe er ihm für immer das Licht auspusten würde.

Zufrieden mit dieser Vorstellung verließ er den armselig aussehenden Raum, zog seinen langen Mantel aus Zobelpelz an, griff nach dem Gehstock und verließ das kleine gedrungene Haus am Ufer des behäbig dahin fließenden Stromes.

Wenig später stand er regungslos an dessen Ufer, starrte auf die schimmernde Wasseroberfläche und sah den vorbeigleitenden Schiffen nach. Auf die weite Ebene der gegenüberliegenden Flussseite legte sich bedächtig feiner Nebel. Sein steifes Knie schmerzte. Sicheres Zeichen für einen bevorstehenden Wetterumschwung. Nach dem Winter kommen die Mücken, dachte er grimmig. Fließend, ohne Übergang. Zeit, sich auf den Weg zu machen.

Wenn das Leben Schatten wirft – Kriminalroman – Christa Lieb (bei XinXii.com, amazon.de, Appel-Store usw.)

 

 

13. Januar 2014
von Christa Lieb
Keine Kommentare

Zitat der Woche

Foto chrilie

Foto chrilie

Wir sind alle Zauberkünstler.
Es ist in uns gelegt, die Welt
um uns zu verwandeln, indem
wir die Welt in uns verwandeln

Ulrich Schaffer

 

 

 

6. Januar 2014
von Christa Lieb
Keine Kommentare

Zitat der Woche

Foto chrilie

Foto chrilie

Sonnenschein wirkt köstlich,
Regen erfrischend,
Wind aufrüttelnd,
Schnee erheiternd.
Wo bleibt da das
schlechte Wetter?

                                  John Ruskin

 

 

 

31. Dezember 2013
von Christa Lieb
Keine Kommentare

Jahreswechsel

Foto chrilie

Foto chrilie

Das in die Monate gekommene Jahr schleppt sich Richtung Ziellinie. Noch immer trägt es schwer an Verheißungen, Vorsätzen, Versprechen, die ihm vor 365 Tagen aufgebürdet und bis heute nicht eingelöst wurden.

Am Ziel wartet aufgeregt das neue Jahr. Jung und voller Elan scharrt es ungeduldig, will endlich los legen.

So ging es mir auch, denkt das alte Jahr und setzt mühsam eine Minute vor die andere. Auch ich habe mich berauschen lassen von dem lauten, bunten Empfang, der mir bereitet wurde. Auch ich war ungeduldig und voller Erwartungen. Auch ich wollte ein ganz besonderes Jahr werden.

Schau genau hin, du junges Ding. Sieh, was aus mir geworden ist. Nimm dir nicht gleich zu viel vor, damit du Luft hast für die kommenden 52 Wochen.

Wie gerne würde ich mit dir tauschen; noch einmal voll freudiger Erregung auf den Startschuss warten. Vorbei. Ich hatte meine Chance. Habe ich sie genutzt?

chrilie ©

 

 

30. Dezember 2013
von Christa Lieb
Keine Kommentare

Zitat der Woche

Foto chrilie

Foto chrilie

Was hinter uns
und vor uns liegt,
ist beides nichts,
verglichen mit dem,
was in uns steckt

Ralph Waldo Emerson

 

 

 

 

22. Dezember 2013
von Christa Lieb
Keine Kommentare

4. Advent

foto: chrilie

foto: chrilie

 

 

 

 

 

 

Die Boote lagen Kiel oben an Land. Sie trugen eine dicke Schneehaube. Das Wasser schwappte behäbig ans Ufer; schob kleine Eisplatten übereinander, gurgelte unter ihnen. In einem der kahlen Bäume saß ein Schwarm Krähen. Sie beobachteten die Umgebung, spähten nach Nahrung. Als Ulrich näher kam, flogen sie laut krächzend davon. Es war ein trüber, grauer Wintertag; Geräusche waren nur gedämpft zu vernehmen. Auf dem zugeschneiten Uferweg lief eine einsame Person entlang.

Ulrichs Blick ging hinaus auf die Wasserfläche. Seine Augen fanden nichts; die weitere Umgebung schien nicht mehr zu existieren, die Welt auf ein Minium geschrumpft zu sein. Gestern noch hatte die Sonne das Gewässer und den Himmel in strahlendem Blau und das Land ringsum weiß glitzernd gezeigt. Die Art Wintermärchen, die Menschen berührt und innehalten lässt. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten tief verschneite Schweizer Berge im Sonnenlicht geschimmert.

Am See war Ruhe eingekehrt. Beschaulich lag er da, inmitten der weißen Pracht. Nur die Wasservögel, die unentwegt auf der Suche nach Futter auf der dünnen Eisschicht an der Uferzone hin und her stakten, brachten Bewegung ins Bild.

Langsam ging Ulrich am Ufer entlang auf der Suche nach Alleinsein. Seit zwei Tagen war er wieder bei Tilda auf der »Rosenhöhe«. Was sollte mit ihm und Klara werden? Darüber musste er nachdenken …

 

“Wohin dein Weg auch führt” – Roman – Christa Lieb (bei XinXii, amazon.de, Apple-Store usw.)